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Kreisalten- und Pflegeheim Werneck - Erfuellter Lebensabend in harmonischer Umgebung
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Zurck


12.11.2013

Quelle: http://www.mainpost.de

WERNECK

Shih Tzu und das Geheimnis des Lebens

Ehrensache - 70 ehrenamtliche Helfer engagieren sich im Kreisaltenheim Werneck

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Was bringt man einem Sterbenden aus Paris mit, der Stadt der Liebenden (und Lebenden)? „Gesundheit“, habe sich ein Patient mal gewünscht, erinnert sich Christa Reuß. Die Hospizbegleiterin der Malteser ist nur eine von über 70 Ehrenamtlichen, die zum Festempfang eingeladen wurden: durch das Kreisaltenheim
Werneck und Landrat Florian Töpper. Die Landwirtin aus Werneck hat ihrem Schützling versprochen, sich im Urlaub an der Seine der Sache anzunehmen.

Es sind überraschende Geschichten, aus dem Alltag des Alters, die sich am Bankett zusammenfinden – nicht nur, weil das Wildbret zu Rotkohl und Klößen von Geschäftsführerin Simone Falkenstein, einer passionierten Jägerin, höchstselbst erlegt wurde. Gerhard Ahles, früher Heimbeiratsvorsitzender: Er wäre beinahe mal Allwetterkampfflieger der Bundeswehr geworden, erzählt der Sulzheimer schmunzelnd. Dann ging es doch in die Schweinfurter Industrie. Nun, selbst schon im gesetzteren Alter, nimmt er Heim-Arbeit wörtlich. Versorgt das 215-Betten-Heim unter anderem mit Holz, seine Buchenscheiben schmücken den Tisch.

Das Team von Sozialdienstleiterin Birgit Kirbye hat die Dekoration arrangiert: „Danke für die helfende Hand“ steht als Sinnspruch auf den Blättern. „Demnächst werde ich wieder Rentiere aussägen, 15, 20 Stück“, kündigt Ahles an, für den guten Zweck und Weihnachten. Wie er sind viele der „helfenden Hände“ durch Angehörige in Pflege zum Ehrenamt gekommen, in seinem Fall durch die Mutter. Bruno Strobel, seit kurzem Amtsnachfolger, erhielt als Ex-Bürgermeister von Waigolshausen die Vermittlerrolle zwischen Angehörigen, Bewohnern und Betreuern. Eugen Schmittfull war 25 Jahre Hausmeister, danach hat der Egenhäuser einfach weitergemacht, wann immer seine Hilfe gebraucht wurde. Stefanie Reith ist für das Seniorenforum des Dekanats tätig, seelsorgerisch und handfest: „Gerade haben wir 200 Christbäume ausgeschnitten“, sagt die Werneckerin stolz. Seniorentanz, gemeinsames Singen, Spielen, Basteln und Vorlesen, Gespräche und Besuche, im Garten oder bei der Sterbebegleitung: „Es gibt keinen Bereich, in dem Ehrenamtliche nicht aktiv sind“, lobt Simone Falkenstein „Jeder hilft uns auf seine eigene Weise“.

Seit über zehn Jahren gibt es den Begleitdienst, unverzichtbar gerade auch in schwierigen Momenten. „Jede Stunde war ein Geschenk“, sagt Sozialdienstleiterin Kirbye, „für die Bewohner und für uns“. Das Buffet von Küchenchef Georg Haas ist da nur ein kleines Zeichen der Dankbarkeit. „Sie schenken den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Mehr, das die hauptamtlichen Mitarbeiter angesichts ihrer Belastungen nicht immer leisten können“, würdigt zuletzt der Landrat „die gut angelegte Zeit“, stellvertretend auch für Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl. „Jeder hilft nach seinen Fähigkeiten.“

Der Geldersheimer Gerald Göhrig mit Hilfe des Shih Tzu. Dahinter verbirgt sich keine asiatische Entspannungsübung, aber Ähnliches: Luna und Laila heißen die knuffigen tibetischen „Löwenhunde“. Zusammen mit Lebensgefährtin Evelyn Kaschner besucht Göhrig jede Woche den sechsten Stock oder die Tagespflege, um mit seinen (in jeder Hinsicht) hellhörigen und aufmerksamen, sofatauglichen Tieren alte Menschen aufzumuntern. Einen Kummer hat Göhrig aber doch: Die Shih Tzus sind keine offiziellen Therapiehunde, seine Gemeinde fordere von ihm die volle Hundesteuer – hier würde er sich über ein kleines Symbol der Anerkennung freuen.

Menschen in den letzten Stunden die Angst und Einsamkeit zu nehmen, Würde zu geben: Dafür fühlt sich Christa Reuß verantwortlich. Seit 13 Jahren begleitet sie Sterbende, zehn waren es in diesem Jahr. Die bodenständige Werneckerin wirkt wie ein lebender Beweis dafür, dass es, nach erfülltem Leben, den „guten Tod“ geben kann: bei allem Kummer friedvoll, fast heiter. „Einfach da sein“ sei das Wichtigste, weiß die Sterbebegleiterin, die nach dem Krankheitstod ihres Mannes einen Kurs der Malteser besucht hat, dem Ende des Lebens nicht länger sprachlos, hilflos gegenüberstehen wollte. „Es geht bei jedem anders“, sagt die gläubige Katholikin mit leicht verschmitzter Stimme. Mit einer nahen Verwandten etwa hat sie sich noch ein Fußballspiel angesehen, beim Abpfiff war alles vorbei.

Im hohen Alter fällt vieles leichter, die Sterbesakramente sind erteilt, Medikamente dämpfen die Schmerzen. Wenn der Anrufbeantworter blinkt, ist Reuß vor Ort, harrt oft Tage, Nächte am Sterbebett aus, mit Gebet, Handreichung oder guten Worten. Bekommt manch Geheimnis anvertraut. Bleibt selbst nie unberührt vom Erlebten. Nicht jeder Greis, der beschlossen hat, sofort zu sterben, schaffe das, weiß Reuß, umgekehrt stemmt sich noch mancher gegen das Unvermeidliche. In den Gesprächen gehe es oft um Religion, oder Unglauben: Lebenswahrheiten, die zuletzt erschüttert werden können.

Die Weggefährtin empfiehlt, beim Glauben auf Altbewährtes zu setzen: Was kann man ganz am Schluss noch falsch machen? „Einfach mit dem Sterbenden sprechen, ihm das Gefühl geben, daheim zu sein“, rät sie Angehörigen. Bleibt noch der Wunsch nach Gesundung. In Paris ist sie auf den Eiffelturm gegangen, habe einen „Koffer voll Gesundheit“ ausgeleert für den Todkranken daheim. Bei ihrer Rückkehr war er bereits gestorben.



Beispielhaft (von links): Geschäftsführerin Simone Falkenstein, Sozialdienstleiterin Birgit Kirbye, Hospizmitglied Christa Reuß, Landrat Florian Töpper und die Ehrenamtlichen Stefanie Reith, Eugen Schmittfull und Bruno Strobel.

Text und Fotos: Uwe Eichler



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